Warum Abstand vom Alltag trotzdem verändern kann, wie Paare miteinander sprechen
Ich sage das ganz direkt, wir brauchen uns nichts vormachen. Der Wind wird eure Kommunikation nicht verbessern. Das Meer wird keine alte Verletzung wegspülen. Die Nordseeluft sorgt auch nicht dafür, dass dein Partner plötzlich genau den einen Satz sagt, auf den du seit drei Jahren wartest.
Wäre natürlich praktisch. Denn dann würden wir uns einfach gemeinsam an den Strand stellen, einmal tief einatmen und anschließend glücklich bis ans Ende unserer Tage leben. So funktioniert Beziehung leider nicht.
Trotzdem habe ich meinen Beziehungstag ganz bewusst ans Meer gelegt.
Nicht, weil ich glaube, wie eben beschrieben, dass St. Peter Ording irgendeine therapeutische Zauberkraft besitzt. Sondern weil ein anderer Ort manchmal einen anderen Blick ermöglicht.
Natürlich nehmt ihr eure Beziehung mit ans Meer. Eure Geschichte, eure Themen und auch das, woran ihr euch gerade immer wieder aufreibt, das bleibt nicht einfach zu Hause.
Aber der Alltag bleibt für ein paar Stunden ein Stück weiter weg. Genau dieser Abstand kann helfen, manches anders zu sehen, als wenn ihr mitten in Küche, Terminen, Wäsche und dem nächsten To do darüber sprecht.
Zu Hause sitzt der Alltag mit am Tisch
Stell dir vor, ihr wollt miteinander über etwas sprechen, das schon länger zwischen euch steht.
Ihr sitzt in eurer Küche. Auf der Arbeitsplatte liegt noch die Post. Im Kühlschrank fehlt irgendetwas, das morgen unbedingt mit in die Brotdose muss. Das Handy vibriert. Einer von euch denkt daran, dass die Waschmaschine noch ausgeräumt werden muss. Der andere weiß, dass morgen früh ein unangenehmer Termin ansteht. Dazu sitzt ihr vielleicht sogar genau dort, wo ihr vor drei Tagen schon gestritten habt. Natürlich kann auch an diesem Küchentisch ein gutes Gespräch entstehen. Nur nehmen wir unsere Umgebung oft stärker wahr, als uns bewusst ist.
Orte sind mit Gewohnheiten verbunden. Mit Rollen, Aufgaben und Erinnerungen.
Zu Hause bist du vielleicht nicht nur Partnerin, sondern gleichzeitig Mutter, Organisatorin, Einkäuferin und diejenige, die im Augenwinkel gerade sieht, dass schon wieder niemand die leere Packung weggeräumt hat.
Dein Partner ist ebenfalls nicht nur Partner, sondern vielleicht Vater, Arbeitnehmer, zuständig für irgendeine Reparatur und gedanklich schon halb bei dem, was morgen erledigt werden muss.
Mitten in diesem ganzen Alltag versucht ihr dann plötzlich, einfach zwei Menschen zu sein, die sich gegenseitig wirklich zuhören.
Das kann funktionieren. Manchmal ist es nur sehr, sehr schwer.
Abstand bedeutet nicht Flucht
Ein anderer Ort löst eure Themen nicht. Er nimmt sie euch auch nicht ab. Ihr bringt eure Beziehung schließlich mit. Mit allem, was gerade schön ist, was wehtut. Auch mit den Sätzen, die ihr schon hundertmal gehört habt. Allerdings auch mit euren Schutzstrategien und euren jeweiligen Anteilen. Kurz gesagt, mit eurem ganz persönlichen Teufelskreis.
Genau deshalb geht es beim Beziehungstag auch nicht darum, vor dem Alltag davonzulaufen.
Es geht darum, einmal ein Stück aus ihm herauszutreten.
Manchmal sieht man etwas klarer, wenn man nicht mitten darin steht. Vielleicht kennst du das aus ganz anderen Situationen. Du sitzt seit Stunden vor einem Problem und findest keine Lösung. Dann gehst du eine Runde. Du steigst ins Auto. Oder stehst unter der Dusche.
Plötzlich kommt ein Gedanke, auf den du vorher nicht gekommen bist.
Das Problem hat sich nicht verändert. Dein Blick darauf hingegen schon. So ähnlich kann es auch mit Beziehung sein.
Manchmal spricht es sich nebeneinander leichter
Es gibt Gespräche, bei denen tut es gut, sich direkt anzuschauen. Bei anderen hingegen kann genau das irgendwann ziemlich anstrengend sein.
Gerade wenn ein Thema emotional wird, beobachten wir unser Gegenüber oft ganz genau.
Was ist das für ein Blick, aus welchem Grund die zusammengezogenen Augenbrauen, was sagt mir das kurze Ausatmen, oha ein Zucken im Mundwinkel. Plötzlich reagieren wir womöglich nicht mehr nur auf das, was tatsächlich gesagt wurde, sondern auch auf das, was wir glauben, im Gesicht des anderen erkannt zu haben.
Draußen haben wir mehr Möglichkeiten. Ihr könnt nebeneinander gehen oder sitzen, mir gegenüber. Der Blick muss nicht die ganze Zeit auf dem anderen ruhen. Er darf zwischendurch nach vorne wandern, auf den Weg, die Dünen oder das Wasser.
Der andere ist trotzdem da. Vielleicht sogar auf eine Weise, die sich gerade wieder etwas näher anfühlt, endlich mal wieder.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr sechs Stunden schweigend nebeneinander am Strand entlanglauft oder sitzt. Keine Sorgen.
Dafür bräuchte es mich auch tatsächlich nicht.
Ich begleite und führe unseren Prozess sehr bewusst. Manchmal bin ich eine Weile stärker mit einem von euch im Gespräch, während der andere zuhört. Dann kommt die Partnerperspektive wieder dazu. Wir bleiben an einer Stelle länger, wenn dort etwas Wichtiges sichtbar wird. Wir setzen uns, gehen ein Stück weiter oder wechseln den Ort, wenn es für das Gespräch hilfreich ist.
Genau das mag ich an diesem Rahmen.
Wir müssen nicht sechs bis acht Stunden in derselben Position bleiben, während wir über etwas sprechen, das sich vielleicht schon seit Jahren festgefahren anfühlt. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv an euren Themen. Meine Arbeit ist dabei besonders geprägt von meinen Weiterbildungen bei Eric Hegmann und seinem emotionsorientierten und differenzierungsorientieren Blick auf Paarbeziehungen. Wir schauen nicht nur darauf, was ihr erzählt, sondern sehr genau auf das, was zwischen euch passiert, welche Schutzstrategien wirksam werden und wie eure gemeinsame Dynamik entsteht.
Das Meer ist dabei nicht die Methode
Dieser Punkt ist mir wichtig. Der Beziehungstag funktioniert nicht deshalb, weil wir draußen sind.
Das Meer übernimmt nicht meine Arbeit. Der Wind analysiert eure Dynamik nicht. Die Möwen moderieren auch nicht. Zum Glück.
Ich schaue sehr genau darauf, was zwischen euch passiert. Welche Sätze etwas auslösen.
Wo sich einer von euch zurückzieht und der andere zu kämpfen beginnt. Wann aus einer Bitte plötzlich Kritik wird oder eine Erklärung beim Gegenüber wie Rechtfertigung ankommt.
Während ihr eigentlich vielleicht beide versucht, eure Beziehung zu schützen und dabei genau das tut, was euch weiter voneinander entfernt.
Mich interessiert, was mit euch passiert, während ihr darüber sprecht, worüber es zu sprechen gilt. Genau dort beginnt für mich die eigentliche Arbeit.
Schutzstrategien sind nicht eure Gegner
Rückzug kann im Streit schnell kalt oder abweisend wirken. Ständiges Nachfragen fühlt sich für den anderen womöglich kontrollierend an. Wird einer lauter, kann das beim Gegenüber enormen Druck auslösen. Ausführliche Erklärungen wiederum können den Eindruck erwecken, Gefühle würden wegdiskutiert.
Solche Verhaltensweisen können schwierig sein. Trotzdem entstehen sie selten grundlos.
Menschen entwickeln Strategien, die irgendwann einmal sinnvoll waren. Rückzug kann schützen. Kontrolle kann Sicherheit herstellen. Hinter Kritik steckt manchmal der unbeholfene Versuch, wieder Verbindung herzustellen. Ausführliches Erklären kann aus der Angst entstehen, falsch verstanden zu werden. Menschen sind in sich, für sich, logisch.
Das bedeutet gleichzeitig nicht, dass wir jedes Verhalten gutheißen müssen. Entscheidend kann sein zu verstehen, wofür eine Strategie einmal hilfreich war.
Danach können wir gemeinsam schauen, ob sie heute noch das bewirkt, was sie eigentlich bewirken soll. Oft tut sie das nämlich längst nicht mehr.
Der gemeinsame Gegner sitzt meistens nicht auf dem anderen Stuhl
Paare kommen manchmal in die Beratung und sind vollkommen überzeugt davon, dass der andere das Problem ist.
Er müsste endlich zuhören. Sie dürfte nicht immer gleich so reagieren. Wenn er nur nicht ständig dichtmachen würde. Könnte sie bitte endlich aufhören alles zu dramatisieren?
Ich verstehe gut, wie man dort landen kann. Nach vielen ähnlichen Konflikten sieht man irgendwann fast nur noch die Reaktion des anderen.
Dabei entsteht zwischen zwei Beziehungspartnern häufig etwas Drittes. Ein Muster, eine Dynamik, ein sogenannter Teufelskreis.
Vielleicht wird sie unsicher und sucht stärker nach Verbindung. Bei ihm entsteht dadurch zunehmend Druck, weshalb er sich zurückzieht. Genau dieser Rückzug verstärkt wiederum ihre Unsicherheit. Also fragt sie mehr nach, wird deutlicher oder drängender. Für ihn erhöht sich dadurch der Druck erneut und er zieht sich noch weiter zurück. (Selbstverständlich ist dies keine geschlechterspezifische Rollenverteilung.)
So entsteht ein Teufelskreis, in dem beide versuchen, sich zu schützen und dabei ungewollt genau die Reaktion des anderen verstärken, unter der sie selbst leiden.
Irgendwann sitzen demnach zwei Menschen voreinander und halten den jeweils anderen für das Problem. Dabei kämpfen beide längst gegen dieselbe Dynamik.
Wird dieser Teufelskreis sichtbar, verändert sich häufig etwas. Nicht automatisch alles. Aber der Blick. Aus einem
Du machst immer…
kann langsam etwas anderes werden:
Ah. Da sind wir wieder. Genau das passiert gerade mit uns.
Das ist ein ziemlich großer Unterschied.
Ein anderer Ort kann vertraute Rollen leiser machen
Im Alltag haben wir viele Rollen. Manchmal organisiert einer von euch, während der andere beruhigt. Einer entscheidet, der andere erinnert. An manchen Stellen übernimmt einer mehr, an anderen zieht sich jemand eher zurück. Viele dieser Rollen funktionieren gut und geben dem gemeinsamen Alltag Struktur. Manche werden mit der Zeit allerdings ziemlich eng.
Wenn ihr euch einen ganzen Tag bewusst aus eurem üblichen Umfeld herausnehmt, verschwinden diese Rollen natürlich nicht. Für ein paar Stunden können sie aber etwas leiser werden.
Der Müll wartet zu Hause. Der Wäschekorb bleibt dort, wo er ist. Berufliche Nachrichten dürfen einmal unbeantwortet bleiben und auch das Abendessen muss gerade niemand vorbereiten.
Für diesen Tag seid ihr nicht in erster Linie Eltern, Kollegen, Hausbesitzer, Familienmanager oder diejenigen, die noch schnell irgendetwas erledigen müssen.
Ihr seid vor allem ein Paar.
Das kann ungewohnt sein. Manchmal sogar überraschend.
Zwischen all den Aufgaben des Alltags geht nämlich leider ziemlich leicht verloren, dass da noch zwei Menschen sind, die sich irgendwann einmal füreinander entschieden haben und ihr Leben miteinander teilen wollten und all das, was sie haben, genau darauf aufgebaut haben.
Die Weite ist schön. Die Arbeit machen trotzdem wir.
Natürlich liebe ich St. Peter Ording.
Die Weite und die Dünen. Den Wind und das Wasser.
Diese Landschaft kann etwas unglaublich Beruhigendes haben. Manchmal allerdings auch ungefähr Windstärke acht und waagerechten Regen.
Beides gehört dazu.
Eine schwierige Beziehung wird nicht plötzlich leicht, nur weil im Hintergrund die Nordsee rauscht. Eine Verletzung verschwindet nicht, weil der Himmel besonders schön aussieht. Auch eine Schutzstrategie verändert sich nicht, nur weil zufällig gerade eine Möwe vorbeifliegt.
Veränderung beginnt für mich dort, wo etwas bewusst wird. Vielleicht versteht ihr zum ersten Mal, was bisher ganz automatisch über Jahre hinweg zwischen euch passiert. Ihr könnt erkennen, welchen Anteil jeder von euch an dieser Dynamik hat und beginnt damit, nicht nur die Reaktion des anderen zu sehen, sondern auch die eigene. So kann aus zwei Perspektiven langsam ein gemeinsamer Blick entstehen. Genau dabei begleite ich euch.
Sehr präsent und sehr aufmerksam, beiden von euch gleichermaßen zugewandt und hoch engagiert für eure Beziehung. Neutral bedeutet für mich nämlich nicht, unbeteiligt daneben zu sitzen. Ich bin nicht die Schiedsrichterin eurer Beziehung. Mich interessiert jedoch, was für euch beide Sinn ergibt, wo ihr euch gegenseitig nicht mehr erreicht und was zwischen euch passiert, wenn ein Gespräch an genau dieser Stelle kippt.
Manchmal braucht es dafür eben jemanden, der einen Satz anders übersetzt, an einer Stelle bewusst langsamer wird oder eine Reaktion bemerkt, die ihr selbst längst übergeht.
Dann können Fragen entstehen wie:
Was hast du gerade gehört?
Was wolltest du eigentlich sagen?
Was ist in dir passiert, als dein Partner das gesagt hat?
Solche Fragen verändern nicht automatisch eine Beziehung, sie können aber einen anderen Blick ermöglichen.
Danach geht es wieder nach Hause
Auch das gehört für mich dazu. Der Beziehungstag findet am Meer statt. Eure Beziehung findet danach wieder in eurem echten Leben statt. Zwischen Brotdosen, Terminen, Arbeit, Kindern, Wäsche, Familie, Einkäufen und müden Dienstagabenden. Genau dort zeigt sich, was von einem solchen Tag mitgeht.
Beim nächsten Konflikt bemerkt ihr vielleicht ein paar Sekunden früher, was gerade passiert. Einer erkennt seinen Rückzug, der andere hört die Schärfe in der eigenen Kritik. Womöglich gelingt es euch, den vertrauten Teufelskreis früher zu erkennen und an einer Stelle zu unterbrechen. Womöglich nicht perfekt, unter Umständen auch nicht jedes Mal. Aber vielleicht einfach früher als bisher.
Veränderung ist für mich selten dieser eine große Moment. Oft beginnt sie viel kleiner.
Zum Beispiel mit einem Satz, der anders endet oder einer Reaktion, die einen Moment später kommt. Wo früher ein Vorwurf gehört wurde, steht heute ganz präsent eine Frage.
Oder ein Gedanken:
Ich glaube, ich verstehe gerade, was mit uns passiert.
Gegebenenfalls braucht ihr keinen schöneren Ort, sondern vielleicht einen anderen Blick.
Das Meer ist schön. Das ist keine besonders gewagte Behauptung.
Für meinen Beziehungstag soll trotzdem nicht die Kulisse den Unterschied machen, daher können wir uns auch gerne in eurer Stadt treffen. Entscheidend ist tatsächlich, was wir dort in unserer gemeinsamen Zeit gemeinsam tun.
Wir schauen hin und versuchen zunächst zu verstehen, bevor wir verändern. Dabei würdigen wir, was euch bisher geschützt hat, machen sichtbar, was euch heute voneinander entfernt und schauen darauf, was jeder von euch selbst beeinflussen kann.
Der Wind löst eure Beziehungsprobleme dabei nicht. Das Meer rettet keine Beziehungen.
Draußen kann jedoch genug Abstand zum Alltag entstehen, damit ihr etwas erkennt, das zwischen all den vertrauten Gesprächen bisher immer wieder untergegangen ist.
Für mein dafür halten kann genau das ein ziemlich guter Anfang.
Wenn ihr eurer Beziehung einmal einen anderen Rahmen geben möchtet:
Mein Beziehungstag am Meer in St. Peter Ording gibt euch sechs Stunden Zeit für eure Beziehung, zuzüglich der Pausen, die wir im Laufe des Tages brauchen.
Grundsätzlich verbringen wir den Tag draußen rund um den Strand von Ording. Gespräche, Sitzen und kurze Gehabschnitte wechseln sich ab. Dabei schauen wir gemeinsam auf das, was zwischen euch entstanden ist und was ihr heute besser verstehen möchtet.
Bei richtigem norddeutschem Schietwetter wechseln wir in einen ruhigen Innenraum.
Keine Wunderlösung oder romantisches Wegpusten eurer Probleme.
Stattdessen intensive Paarberatung mit Zeit, Ruhe, Weite und einem gemeinsamen Blick auf eure Beziehung.
